Karin Lehmann
«Special Guests”, Installation


Als wir die Berner Künstlerin Karin Lehmann angefragt haben, die Soloposition in der ersten ‘realen’ StudioK3-Ausstellung in unserem neuen Raum zu bestreiten, sagte sie trotz der Kurzfristigkeit zu unter der Bedingung, ganz neue Werke produzieren zu können. Damit nahm sie unser Konzept, in erster Linie Werke ‘Frisch aus dem Atelier’ zu präsentieren wörtlich. In den vergangenen 2-3 Wochen experimentierte Karin Lehmann und schuf solch neue Arbeiten, dass sie als selbständige Objekte noch nicht mal zu ihren finalen Titeln gefunden haben – so geben sie sich vorläufig unter dem Titel ‘Special Guests’ ein Stelldichein als Rauminstallation.

Inspiriert von der Industrieuhr an der Ausstellungswand griff Karin Lehmann das Thema der Uhrzeiger auf und schuf 12 plastische Arbeiten in Metall, welche statische Zeigerpaare darstellen. Wie meist in ihrem Werk ist die Künstlerin Erforscherin des Werkstoffs und Materials, dass sie formal und inhaltlich in unerwartete Kontexte stellt. Karin Lehmanns Zeiger konterkarieren die Zeitmessfunktion der echten Uhr, mit der sie sich die Wand teilen müssen. Welche Zeit gilt nun? Wer will das schon wissen und verstehen wollen! Manchmal sehen Zeiger auch einfach Gesichtern ähnlich: Lachenden, weinenden, nachdenklichen…

Am Boden liegt als plastische Arbeit ein 2 Meter langer Klappmeter aus hochleitendem Kupfer: 2 Meter? Was für eine bedeutungsschwere Zahl! Es sind 2 Meter, die gerade unser ganzes soziales Leben über den Haufen geworfen und selbst das harmlose Vernissage-Küsschen in die Welt der verbotenen Sehnsüchte verbannt haben! Werden wir den 2 Corona-Metern dereinst ein skulpturales Denkmal setzen wollen?

Und dann sind da noch ‘Dr Dinni u dr Dussi’ mit ihren coiffeur-fernen Pflanzenfrisuren – sonderbare Gäste einer Kunstausstellung, deren maximal zugelassene Gästezahl auf Quadratmeterkalkulationen von Gesundheitsbehörden beruht – und nicht mehr den bis vor kurzem kategorisch geltenden Regeln der Feuerpolizei folgt! Welchem der beiden Gäste ist wohl dabei wohler? Demjenigen im Ausstellungsraum oder vielleicht doch jenem «draussen vor der Notausgangstür?» Sandi Paucic

«Ich arbeite neuerdings in meiner künstlerischen Praxis ausschliesslich mit recyklierbarem (oder kompostierbarem) Material. Nichts von dem, was ich produziere, möchte ich in die Verbrennung oder in den Bauschutt geben müssen, sondern es wieder in den Kreislauf einspeisen. Wertstoffe und nicht Abfall produzieren! Oder die Dinge zumindest wiederverwenden können, wie die beiden Pflanzenbehälter.» Karin Lehmann


Materialangaben

Zeiger*innen: Kupfer, teilweise emailliert, teilweise durch Hitze geschwärzt
Dr Dinni u dr Dussi: Textil, Erde, Pflanzen
Klappmeter: Kupfer, Federstahl


CV Karin Lehmann
(*1981, Bern), lebt und arbeitet in Bern. Nach der Ausbildung zur Keramikerin absolvierte Karin Lehmann Bachelor und Master an der Hochschule der Künste Bern in Fine Arts und Contemporary Arts Practice. Einzelausstellungen: Centre Pasquart Biel, FAK14 Münster, Seventeen Gallery London und Gruppenausstellungen:
Kunstmuseum Olten, Kunstraum Riehen, akku Emmenbrücke, Body & Soul Genf, Dallas Biennial, u. a.

www.karinlehmann.ch