Ana Strika. Salle de répétion. StudioK3

Vernissage TV
Ana Strika «Salle de répétition”. Text by Sandi Paucic.
StudioK3,  6 – 22 August 2020, Zentralwäscherei
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For the duration of the summer exhibition break, StudioK3 has made its exhibition space available to Zurich based artist Ana Strika for the realization of an in situ exhibition project. As chance would have it, while Ana Strika was using StudioK3 for several weeks as an experimental space, she had to give up her previous studio and has not yet found a new one. The transition from the past to the future not only applies to the current situation of the artist without a studio but is also significant for her work. She has now also used the phase of transition to rearrange her art storage - she speaks of her props - and to create an environment from the exhibition space of StudioK3.
Ana Strika reacts directly to the presence and charisma of the exhibition space: the place is no longer what it once was. The aging laundry room shows traces of its former function. The old industrial clock on the wall is still running, but the room, with its partly fallen ceiling panels, looks ruinous or like a construction site. The artist has covered the windows with lime paper, the paper veils the urban panorama and creates a mood of weakened, warm light. The back wall with the clock, originally yellowed and scratched, has been covered with fresh white paint, which further alienates the old room with its strangely green columns.
Over the years, Ana Strika has been collecting things and materials which in themselves have no particular material value. Some of them are originally rubbish, others she has received, found and reconfigured. Plastic quality and allusion to content do appear in the assemblage of objects, but do not solidify into sculptural commitment or a comprehensible narrative. Driven by the 'triggers' that the room offers her, the artist lays out the props from her collection of cardboard objects, tied up packages, wood and all kinds of oddities in the room or creates "spatial drawings" from sticks, strings, branches and the like. She constantly arranges and changes the museum's seemingly opulent storage in new contexts and constellations. The work progresses by Strika translating her conceptual associations and ideas into material arrangements. To get ahead, she draws on paper in between and then transfers the drawings into the threedimensional space with the help of her props. She then photographs the result, only to question it again with new arrangements and experiments with materials - Strika does not strive for a final fixed state and the processual work is at no point 'finished'. The order of interpretation gradually expands into an encyclopedic world of absurd and surreal neighborhoods and juxtapositions - a hodgepodge of seemingly archetypal things and an enigmatic system of signs that does not strive for lasting meaning or general validity.

Ana Strika, *1981 lives and works in Zurich.

Sandi Paucic
Thanks to: Magdalena Baranya, Pascale Birchler, Julia Bodamer and Goran Galic
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DEUTSCH
Für die Dauer der Sommer-Ausstellungspause hat StudioK3 seinen AusstellungsRaum der Zürcher Kunstschaffenden Ana Strika zur Realisierung eines Ausstellungsprojekts in situ zur Verfügung gestellt. Der Zufall wollte es, dass Ana Strika in der Zeit als sie StudioK3 während mehrerer Wochen als Experimentierraum benutze, just ihr bisheriges Atelier aufgeben musste und noch kein neues gefunden hat. Die Transition vom Bisherigen zum Künftigen trifft nicht nur auf die aktuelle Situation der Künstlerin ohne ein Atelier zu, sondern ist auch für ihr Werk bedeutsam. Die Phase des Übergangs hat sie nun auch dazu genutzt, ihr Kunst-Lager – sie spricht von ihren Requisiten – neu zu ordnen und daraus aus dem Ausstellungsraum des StudioK3 ein Environment zu schaffen.

Ana Strika reagiert unmittelbar auf die Präsenz und Ausstrahlung des Ausstellungsraums: Der Ort ist nicht mehr das, was er einmal war. Der in die Jahre gekommene Wäscherei-Raum weist Spuren seiner früheren Funktion auf. Die alte Industrie-Uhr an der Wand läuft zwar noch, der Raum aber wirkt mit seinen teils abgefallenen Deckenplatten ruinös oder baustellenartig. Die Fenster hat die Künstlerin mit Kalkpapier überzogen, das Papier verschleiert das urbane Panorama und erzeugt eine Stimmung abgeschwächten, warmen Lichtes. Die hintere, ursprünglich vergilbte und zerkratzte Wand mit der Uhr hat sie sie mit frischer weißer Farbe übertüncht, was den alten Raum mit des-sen sonderbar grünlich gestrichen Säulen zusätzlich verfremdet.

Ana Strika greift in ihrer Arbeit auf die Vorstellung von Räumlichkeiten zurück wie Baustellen, Re-quisitenlager und Museumsdepots als Aufbewahrungsorte und Lagerstätten von Objekten, die aufs Neue rekombiniert und «nach Vorne» auf die Bühne oder auf die Baustelle des Denkens geholt werden. Strika sammelt über Jahre Dinge und Materialien, die an sich keinen besonderen Ma-terialwert besitzen. Das meiste davon hat sie bekommen, gefunden und neu konfiguriert. Plastische Qualität und inhaltliche Anspielung tauchen in den assemblageartigen zusammengestellten Objekten zwar auf, verfestigen sich aber nicht zu skulpturaler Verbindlichkeit oder einem nachvollziehbaren Narrativ. Von den ‘Triggern’, die ihr der Raum bietet, angetrieben, legt die Künstlerin die Requisiten aus ihrem Fundus von Karton-Objekten, verschnürten Päckchen, Hölzern und allerlei Sonderbarem im Raum aus oder schafft aus Stäben, Schnüren, Ästen und Ähnlichem «Raumzeichnungen». Sie arrangiert und ordnet das museal üppig wirkende Lager laufend in neuen Zusammenhängen und Konstellationen. Die Arbeit schreitet voran, indem Strika ihre begrifflichen Assoziationen und Vorstellungen in materielle Arrangements umsetzt. Um weiter zu kommen, zeichnet sie zwischendurch auf Papier und überträgt die Zeichnungen anschliessend mithilfe ihrer Requisi-ten ins Dreidimensionale des Raums. Dann fotografiert sie das Resultat, um es gleich wieder durch neue Anordnung und Material-Experimente in Frage zu stellen – einen final festgelegten Zustand strebt Strika nicht an und die prozesshafte Arbeit ist zu keinem Zeitpunkt ‘fertig’. Die Auslegeordnung weitet sich allmählich zu einer enzyklopädisch anmutenden Welt absurder und surrealer Nachbarschaften und Gegenüberstellungen – ein Sammelsurium scheinbar archetypischer Dinge und ein rätselhaftes Zeichensystem, das keine dauerhafte Sinnhaftigkeit oder allgemeine Gültigkeit anstrebt.

Ana Strika, *1981 lebt und arbeitet in Zürich.

Dank an: Magdalena Baranya, Pascale Birchler, Julia Bodamer und Goran Galic
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